Rund ums Freizeitheim

Panorama

Es ist wohl diese liebliche Anhöhe im Süden der Gemeinde Eberdingen, die eingebettet zwischen Wald, Wiesen und Äckern liegt, die ein besonderer Ort zu sein scheint. Immer, wenn man hierher kommt, dann kommt man auch ein bisschen wie auf eine Insel. Der Blick geht weit über die Felder wie über das Meer. Wälder in der Ferne laden zum Wandern, Pilze sammeln oder zur Schnitzeljagd ein.

Einweihung Gebaut wurde das Heim aber erst nach dem zweiten Weltkrieg als Holzhaus ohne Keller und galt der Evangelischen Kirchengemeinde in Zuffenhausen zur Naherholung und als Jugendheim. So ist man damals die 20 km per Pedes oder per Velo hierhin gereist. Weg von den Sorgen des Alltags und hin zu „Gemeinschaft erleben, Gemeinde erleben“.

Das Haus ist mittlerweile etwas moderner. Zuletzt ist ein Feuer daran schuld. 1973 brannte alles nieder. Zwei Jahre war es in Eberdingen Anfang der 70er Jahre nicht klar, ob die Dorfgemeinde auf der Anhöhe hier Sportplätze oder etwas anderes selbst errichten will. Dann wurde doch die Stätte wieder den Städtern gegeben. Jetzt wurde ein Keller ausgehoben und zusätzliche Bettenräume und das Kaminzimmer entstanden. 1975 stand es besser da als zuvor. Heute kann man warm duschen. Es gibt Toiletten, Heizkörper, eine Küche und saubere Unterkünfte.

Haus-Von-vorneOb man hier WiFi Wlan oder Tablets braucht, ist noch nicht ganz entschieden, weil immer durch Technik auch ein bisschen warmes Erleben vom kalten Erleben verdrängt wird. Kinder können miteinander spielen, Fangen, Verstecken oder auf Weltreise gehen, wie auch die Kinder es schon vor tausend Jahren gemacht haben. Daheim haben sie ihren PC, ihr Smartphone, ihr Hitech Raumschiff. Da sitzen sie womöglich unbeweglich, die Augen starr und flatternd von einer kleinen Glasscheibe gefangen gehalten. Hier haben sie Lagerfeuer, rote Wurst und roten Tee. Zugegeben, die Älteren bevorzugen freilich Hopfentee, kalt und gebraut. Keine 100 m vom Hauseingang gibt es diese Feuerstelle, die schon so viele Feuer erlebt hat – Wintersonnenwende, Osterfeuer oder Geburtstage und Taufe – kein Anlass, der nicht ein Grund wäre, die Flammen nachts zu betrachten, die Lieder zu singen oder den Sternschnuppen zu folgen. Das Haus ist das Boot. Drinnen sind Kombüse und Kajüte. Draußen an Deck sitzen die „Seeleute“ und können Kaffeetrinken oder in klarer Nacht den Weg durch die Sterne finden. Das Freizeitheim Eberdingen ist so nah bei Stuttgart und doch so ganz anders, gewissermaßen so ländlich wie in der guten alten Zeit.

Das Wort Freizeit ist ein relatives, neues Wort. Den modernen Begriff von Freizeit als arbeitsfreier Zeit wurde erst zu Anfang des 19. Jahrhunderts geprägt. Es bezeichnete damals die Zeit, die z. B. den Zöglingen einer Erziehungsanstalt gegeben wurde, um ihren persönlichen und individuellen Bedürfnissen nachzugehen. 1865 tauchte der Begriff erstmals in einem deutschen Wörterbuch auf. Der Duden nahm die Wörter Freizeit und Freizeiten 1929 zum ersten Mal in sein orthografisches Verzeichnis auf und definiert sie folgendermaßen: „ 1. Zeit, in der jemand nicht zu arbeiten braucht, keine besonderen Verpflichtungen hat; 2. für Hobbys oder Erholung frei verfügbare Zeit; oder [mehrtägige] Zusammenkunft für Gruppen mit bestimmten gemeinsamen Interessen“.

Haus 01Jetzt gibt es auch den Arbeitseinsatz in Eberdingen. Ja, was denkst du? Alles zerfällt sonst, wenn sich niemand darum kümmert. Der Mensch kämpft mit der Natur gewissermaßen. Hier soll etwas wachsen und dort nicht. Hier darf es Spinnen geben und dort nicht. Das gleiche gilt für den unter Naturschutz stehenden Siebenschläfer. Leider hält der sich nicht an Vernunft. Viele Gruppen fanden es in der Vergangenheit nicht so lustig, wenn der des nachts rumpelt und lärmt. Manchmal war der Siebenschläfer dort, teilweise war er fort. Er kam jedoch auch tagsüber zurück, wenn die Haustüre unbewacht und unbedacht offen stand. Auch das von den Besuchern des Freizeitheimes nicht vernünftig. Das heißt Herein, nicht nur für Menschen! Heute ist der Siebenschläfer mal wieder fort. Bei der letzten Fassadenrenovierung wurden alle Hohlräume vollgedämmt. Aber wie gesagt, es ist ein Hin und Her mit dem Tier des Jahres 2004.

 

bilchEine Gruppe von Menschen aus Zuffenhausen und Umgebung haben einen Arbeitskreis gegründet und es sich zur Aufgabe gemacht, das Haus und das Gelände Jahr für Jahr zu hegen und zu pflegen. Die Betten werden frisch bezogen, das Haus wird geputzt, die Rinne gereinigt, der Rasen gemäht, das Haus renoviert – was man in seiner Freizeit halt so alles macht. Dieser Arbeitskreis Eberdingen arbeitet ehrenamtlich und ein Lob im Gästebuch ist Lohn genug. Auch Kritik ist natürlich willkommen. Aber wenn du es besser weißt, dann mach es doch mal.

So haben wir Sanitäranlagen, klar. Aber nicht zu vergleichen mit diesem randvoll sorglos Paket, wie du es aus der Stadt kennst. Das Wasser landet in der Abwassergrube und muss per LKW oder Traktor mittels Pumpe abgeholt werden. Das kostet Geld. Deshalb sind die Wasserkosten per cbm in Eberdingen auch so exorbitant hoch. Da verdient niemand ein Geld, da werden gerade einmal die Kosten gedeckt. Duschen ist im Sommer auch im Freibad unten möglich. Dass alles nicht so selbstverständlich ist, auch das lernt man in Eberdingen.

Verfasst von Frank Albrecht im Oktober 2014